Passauer Dienstleistungsforscher erhält Emerging Service Scholar Award

Prof. Dr. Jan H. Schumann von der Universität Passau ist mit dem diesjährigen Emerging Service Scholar Award der AMA SERVSIG ausgezeichnet worden und hat diesen im Rahmen der Frontiers in Service-Konferenz 2019 in Singapur entgegengenommen.

Dr. Jan H. Schumann

Prof. Dr. Jan H. Schumann von der Universität Passau ist mit dem diesjährigen Emerging Service Scholar Award der AMA SERVSIG ausgezeichnet worden

Jan Schumacher

Großartiger Erfolg für Dienstleistungsforschung - Exklusives Interview mit Prof. Dr. Schumann

Jan H. Schumann ist seit Dezember 2012 Inhaber des Lehrstuhls für Marketing und Innovation an der Universität Passau. Im Dienstleistungsbereich beschäftigt er sich schwerpunktmäßig mit Fragen der Preisgestaltung, mit der Auswirkung neuer Technologien, den Herausforderungen beim Einsatz neuer datengetriebener Geschäftsmodelle sowie der Kundenintegration in die Entwicklung und Erbringung von Dienstleistungen.

„Der Preis erfährt in der internationalen Community der Dienstleistungsforscher große Beachtung und ist daher eine große Ehre und ein wirklich großartiger Erfolg für mich und meine Arbeit“, so Schumann.

Prof. Schumann stand dem Projektträger diesbezüglich zu einem exklusiven Interview zur Verfügung:

PTKA: Herr Professor Schumann wir gratulieren Ihnen ganz herzlich zum diesjährigen Emerging Service Scholar Award der AMA SERVSIG, der Service Special Interest Group der American Marketing Association. Die Auszeichung ehrt Forscherinnen und Forscher, die bereits in einer frühen Phase ihrer Karriere herausragende Leistungen im Bereich der Dienstleistungsforschung erbracht haben und geht damit zum ersten Mal an einen Wissenschaftler an einer deutschen Universität. Was bedeutet der Award für Sie?

Schumann: Der Award bedeutet mir sehr viel! Ich identifiziere mich sehr stark mit der Dienstleistungsforschung und auch mit der internationalen Community in diesem Bereich. Entsprechend intensiv habe ich mich hier in den letzten Jahren eingebracht. Neben meiner primären Forschungsarbeit engagiere ich mich in Editoral Reviewboards beim Journal of Service Research und dem Journal of Business Research und wirke bei internationalen Konferenzen als Track Chair und bei Doctoral Consortiums mit. Auch bei unserem aktuellen BMBF-Begleitvorhaben Digivation haben wir als neues Instrument entsprechende Doktorandenkurse zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses eingeführt. Das jetzt auf diese Art und Weise gewürdigt zu sehen, ist eine sehr schöne Rückmeldung und freut mich wirklich sehr.

PTKA: Erzählen Sie doch bitte etwas zu Ihrem Werdegang. Wie kamen Sie denn zur Dienstleistungsforschung?

Schumann: Mein erster Berührungspunkt war ein Projektseminar während meines Psychologiestudiums. Wir haben dort die Kundenzufriedenheit bei einem ÖPNV-Anbieter im Raum Potsdam analysiert. Später habe ich dort noch weitere Analysen durchgeführt und meine Diplomarbeit über dieses Thema geschrieben. Bei der Literaturrecherche bin ich dann automatisch bei den frühen Dienstleistungsmarketingforschern wie Bitner, Parasuraman, Zeithaml und anderen gelandet. Damals wusste ich noch nicht, dass ich sie später alle mal auf Konferenzen kennenlernen würde. Als ich mich dann nach dem Studium und einer ersten Beratertätigkeit entschieden habe zu promovieren, waren diese Erfahrungen dann eine gute Grundlage für meine Promotionsstelle bei Prof. Dr. Florian von Wangenheim, damals noch Juniorprofessor für Dienstleistungsmanagement an der Universität Dortmund, mit dem ich dann später an die TU München gewechselt bin. Bei ihm zu promovieren war ein sehr großer Glücksgriff, denn ich verdanke ihm und seiner Unterstützung sehr viel. Er hat mir sehr früh erklärt, wie der wissenschaftliche Betrieb funktioniert und mich für eine weitere Karriere in diesem Bereich ermutigt und begeistert.

PTKA: Welche Rolle spielten das BMBF und dessen Förderung der Dienstleistungsforschung für Ihre Karriere?

Schumann: Eine ganz entscheidende Rolle! Ich habe meine Promotion im Rahmen des Projekts „EXFED – Export ferngelenkter Dienstleistungen“ geschrieben und meine erste Konferenz war gleich die große BMBF-Dienstleistungstagung in Berlin. Durch die sehr gute Ausstattung an internationalen Reisemitteln – immerhin ging es bei uns um das Thema Export – konnte ich zudem früh an internationalen Konferenzen teilnehmen, Erfahrungen sammeln und mein Netzwerk aufbauen. Davon zehre ich heute noch. Auch zu späteren Zeitpunkten waren BMBF-Projekte immer wieder entscheidend. Als ich Juniorprofessor wurde hatte ich ein größeres Projekt, das es mir erlaubte erste Mitarbeiter einzustellen und dadurch mehrere Paperprojekte parallel zu verfolgen. Kürzlich erhielt ich die Möglichkeit, im Rahmen des Projekts Digivation zum ersten Mal an einem Begleitvorhaben mitzuwirken. Das war nochmal eine ganz neue Herausforderung. Eine gesamte Förderlinie zu begleiten, Fortbildungsangebote zu machen und größere Tagungen für diese Förderlinie zu organisieren hat mir nochmal ganz neue Einblicke in die Förderpolitik gegeben. Es war aber auch die Möglichkeit, die eigene Forschung nochmal sichtbarer zu machen und innerhalb der Forschungslinie zusammen mit den Projektpartnern Initiativen wie die Erstellung einer DIN-SPEC umzusetzen. Auch hoffe ich, dass wir durch unsere Projektarbeit neue Impulse für weitere Förderthemen setzen konnten.

PTKA: Wie schätzen Sie denn generell den Erfolg der Forschungsförderung im Bereich der Dienstleistungsforschung durch das BMBF ein?

Schumann: Unabhängig von meiner eigenen Karriere hat die deutsche Förderung der Dienstleistungsforschung durch das BMBF einen enormen Einfluss auf die Produktivität und Sichtbarkeit der deutschen Dienstleistungsforschungscommunity. Ich kenne sehr viele international sehr erfolgreiche deutsche Kollegen, die im Laufe ihrer Karriere immer wieder von BMBF-Projekten profitiert haben. Das Ergebnis aus dieser jahrelangen sehr guten Förderung ist, dass die Deutschen auf den internationalen Dienstleistungsforschungskonferenzen oft die größte Teilnehmernation und auch in den internationalen Top-Fachzeitschriften sehr gut vertreten sind. Bei der Förderung kommen ein paar entscheidende Erfolgsfaktoren zusammen, um die uns die ausländischen Kollegen oft beneiden: 1. Es werden zukunftsweisende Themen gefördert, die auch international hohe Relevanz haben. 2. Die Projekte sind oft interdisziplinär angelegt, was sehr herausfordernd aber auch sehr inspirierend ist. 3. Es besteht ein enger und unmittelbarer Anwendungsbezug, was automatisch zu einer hohen Praxisrelevanz der Ergebnisse führt. 4. Die finanzielle Ausstattung ist wirklich gut und ermöglicht komplexe Datenerhebungen und eben auch die nötigen Reiseaktivitäten, die für eine internationale Vernetzung so entscheidend sind. Da ist wirklich enormes und nachhaltiges Potenzial aufgebaut worden. Ich würde mir aber auch wünschen, dass dieses Potenzial jetzt entsprechend weiter unterstützt wird. Die Entwicklungen im Dienstleistungsbereich durch technologische Entwicklungen sind ja dramatisch und der Forschungsbedarf ist entsprechend hoch. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Robotik werden die Dienstleistungsbranche in den nächsten Jahren weiter stark beeinflussen und die Art und Weise wie wir Dienstleistungen erstellen und konsumieren grundlegend verändern. Der Standort Deutschland würde extrem davon profitieren, wenn die große Anzahl an sehr guten Forschern, die wir haben, hier auf breiter Ebene aktiv werden und diesen Wandel aktiv begleiten und gestalten würden.

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