Arbeit und Ökologie ganzheitlich verbinden - Innovationsfähigkeit stärken

Wie können ,Gute Arbeit‘ und ökologische Innovationen in Betrieben und in der Unternehmenskooperation miteinander verknüpft werden? Damit befasste sich am 29. März 2019 die Abschlusskonferenz des NaGut-Projekts in Bremen. Rund 60 Teilnehmende aus Wissenschaft, Verbänden und Unternehmenspraxis diskutierten die Projektergebnisse.

Abschlusskonferenz des NaGut-Pilotprojekts

Nachhaltige Arbeit kann zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen einen wichtigen Beitrag leisten. Für nachhaltige Arbeit ist die Verbindung von guter Arbeit – im Sinne menschenwürdiger Erwerbsarbeit – mit ökologischen Innovationen von zentraler Bedeutung. Wie kann gute Arbeit in der betrieblichen Praxis mit ökologischen Neuerungen verknüpft werden und wie können solche arbeitsökologischen Innovationen konkret in Unternehmen entwickelt und umgesetzt werden? Auf diese Kernfragen nachhaltiger Arbeit bot die Abschusskonferenz des Pilotprojekts „NaGut – Nachhaltig Gut Arbeiten: Arbeiten und Ökologie ganzheitlich verbinden – Innovationsfähigkeit stärken" im Bremer Haus der Wissenschaft weiterführende Antworten.

Im Rahmen des Pilotprojekts NaGut wurden in dreieinhalb Jahren Praxislösungen für arbeitsökologische Innovationen in enger Kooperation zwischen den Unternehmenspartnern hanseWasser GmbH (Abwasserwirtschaft), Macor Marine Solutions GmbH & Co. KG, Stahlbau Nord GmbH – beide Unternehmen gehören der Branche des Schiffs- und Yachtbaus an – und der Universität Bremen mit ihren Fachinstituten artec Forschungszentrum Nachhaltigkeit und Institut Arbeit und Wirtschaft erarbeitet, erprobt und umgesetzt.

Zu Beginn der Abschlusskonferenz verwies Dr. Alexander Lucumi (Leiter des Bereichs „Innovationen für die Arbeit" beim Projektträger Karlsruhe (PTKA)) auf die die große Bedeutung nachhaltiger Arbeit für die Zukunfts- und Innovationsfähigkeit von Unternehmen und hob die hierzu im NaGut-Projekt erarbeiteten Praxislösungen hervor. Frau Dr. Diana Wehlau, Referatsleiterin „Umweltinnovationen und Anpassungen an den Klimawandel" beim Bremer Senator für Umwelt, Bau und Verkehr, unterstrich in ihrem Grußwort, dass das NaGut-Projekt den Erwartungen an eine beteiligungsorientierte Entwicklung arbeitsökologischer Innovationen und an die Zusammenarbeit mit dem Bremer Unternehmensnetzwerk Partnerschaft Umwelt Unternehmen sehr entsprochen habe.           

Herr PD Dr. Guido Becke, NaGut-Verbundkoordinator und Forschungsleiter am Institut Arbeit und Wirtschaft (iaw), Universität Bremen, präsentierte in seiner Keynote das Konzept der arbeitsökologischen Innovationen sowie übergreifende Ergebnisse des NaGut-Verbundprojekts. Er wies auf die Vielfalt unterschiedlicher Zugänge von Unternehmen hin, gute Arbeit mit ökologischen Neuerungen im Sinne eines integrativen Innovationsverständnisses zu verbinden, und skizzierte Perspektiven für die weitere Forschung zu nachhaltiger Arbeit.

In der zweiten Keynote„Arbeit und Ökologie – ein voraussetzungsvolles Win-Win" zeichnete Prof. Holger Rohn (Technische Hochschule Mittelhessen in Freiberg) die Entwicklungslinien und Themenkonjunkturen im Feld „Arbeit und Ökologie" seit den 1990er Jahren nach. Prof. Rohn verdeutlichte, dass heute Fragen aus den 1990er Jahren nach wie vor bedeutsam sind, sich aber durch die Globalisierung neue Herausforderungen an eine umweltverträgliche und menschengerechte Gestaltung von Arbeit in Wertschöpfungsketten stellen.

In der von Frau Brigitte Nagler (artec) moderierten Abschlusskonferenz wurden in zwei Podiumsdiskussionen zentrale Themen des Pilotprojekts vertiefend behandelt. Die erste Podiumsdiskussion bezog sich auf Erfolgsvoraussetzungen der Verbindung von guter Arbeit und ökologischen Neuerungen in Unternehmen und in der Unternehmenskooperation. Susanne Nickel (iaw), Jorn Hartmann (hanseWasser GmbH) und Marcus Rönner (Stahlbau Nord GmbH / Heinrich Rönner Gruppe) waren sich darin einig, dass die Beteiligung von Mitarbeitenden von zentraler Bedeutung für arbeitsökologische Innovationen und ihre betriebliche Verankerung sei. Dr. Martin Schnatmeyer (IGEL Technology GmbH) und Prof. Eva Senghaas-Knobloch (artec) verwiesen darauf, wie voraussetzungsvoll es sei, soziale und ökologische Standards in globalen Lieferketten zu verankern.       

Vorstellung der arbeitsökologischen Innovationsvorhaben. v.l.n.r.: Michael Steinfeldt (artec), Brigitte Nagler (Moderation/artec), Mark Hoffmann (Macor), Holger Grüneberg (Rönner Verwaltungsgesellschaft) und Susanne Nickel (iaw).

Vorstellung der arbeitsökologischen Innovationsvorhaben. v.l.n.r.: Michael Steinfeldt (artec), Brigitte Nagler (Moderation/artec), Mark Hoffmann (Macor), Holger Grüneberg (Rönner Verwaltungsgesellschaft) und Susanne Nickel (iaw).

Henry Fried

In der zweiten Podiumsdiskussion zum Thema „Lernen und Kompetenzentwicklung für arbeitsökologische Innovationen" betonte Marc Hoffmann (Macor), dass die regelmäßigen Arbeitstreffen der NaGut-Verbundpartner sich als ein zentraler Ort für gemeinsamen Austausch und Lernen erwiesen hätten, z. B. zum Umgang mit Unwägbarkeiten in komplexen (arbeitsökologischen) Projekten. Dieses Thema war der Anlass, sich stärker mit agiler Projektarbeit auseinanderzusetzen. In der Diskussion wurde deutlich, dass Kompetenzen gesundheitsförderlichen Führens und gesundheitsförderlicher Arbeitsgestaltung eine zentrale Basis für arbeitsökologische Innovationen bilden und zugleich für die Gestaltung solcher Innovationsprozesse unverzichtbar sind. Arne Schmüser (hanseWasser) berichtete hierzu von seinen Erfahrungen mit dem NaGut-Seminar zu „Gesund Führen". Dr. Dennis Wernstedt (Arbeitnehmerkammer Bremen) hob das Arbeitsschutzinstrument der Gefährdungsbeurteilung als Basis für die gesundheitsförderliche Arbeitsgestaltung hervor. Martin Schulze (Partnerschaft Umwelt Unternehmen) verwies auf die hohe Bedeutung der regionalen Vernetzung von Unternehmen für die Kompetenzentwicklung im Bereich nachhaltiges Arbeiten und Wirtschaften.

Im Zentrum der Abschlusskonferenz stand die Vorstellung und Diskussion der praxisorientierten Projektergebnisse. Zunächst stellten Yann Fingerhut (iaw) und Michael Steinfeldt (artec) die Praxis-Broschüre „Arbeit und Ökologie – Betriebliche Beispiele guter Praxis aus Bremen" und den druckfrischen NaGut-Praxisleitfaden „Das A und Ö der Innovation – Arbeitsökologische Innovationen in Unternehmen entwickeln und umsetzen" vor, der durch Downloadmaterialien auf der Projektwebsite ergänzt wird.

Podiumsdiskussion zu Lernen und Kompetenzentwicklung für arbeitsökologische Innovationen.

Podiumsdiskussion zu Lernen und Kompetenzentwicklung für arbeitsökologische Innovationen.

Janine Lancker (fliplance)

Im Rahmen eines Marktplatzes wurden danach an Stellwänden vier arbeitsökologische Innovationsvorhaben aus dem NaGut-Projekt erörtert, die in der Zusammenarbeit zwischen den Unternehmenspartnern und der Universität Bremen entwickelt und erprobt wurden:  Karsten Messer (hanseWasser) und Yann Fingerhut (iaw) präsentierten, wie bei hanseWasser mit der betrieblichen Nutzung von E-Bikes und digitalen Medien die Arbeitsqualität in der Baustellenaufsicht und -koordination verbessert und CO2-Emissionen reduziert werden konnten. Sonja Horstmann und Florian Muller (beide hanseWasser) verdeutlichten, wie sich arbeitsökologische Erfolgsfaktoren (z. B. die Beteiligung von Mitarbeitenden, die Einbindung unterschiedlicher Führungsebenen) auf ein neues betriebliches Innovationsvorhaben, d.h. das Störungsmanagement in der Leitwarte, übertragen lassen. Marc Hoffmann (Macor) und Michael Steinfeldt (artec) stellten ein neu entwickeltes und betrieblich erprobtes Verfahren vor, das Ansätze der Ökobilanzierung und der Gefährdungsbeurteilung kombiniert: die prospektive arbeitsökologische Bewertung von Produktinnovationen. Holger Grüneberg (Rönner Verwaltungsgesellschaft GmbH) und Susanne Nickel (iaw) verdeutlichten, wie in der unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit bei komplexen Schiffsbauprojekten arbeitsökologische Projektreviews, an denen Beschäftigte und Führungskräfte miteinander kooperierender Unternehmen beteiligt sind, gestaltet werden können. Solche Reviews tragen dazu bei, die Zusammenarbeit zu verbessern und Kooperationsstress zu reduzieren sowie Material- und Ressourceneinsparungen durch eine optimierte Koordination von Arbeitsprozessen zwischen Unternehmen zu erzielen.      

Kernergebnisse des NaGut-Projekts auf einen Blick [PDF, 4MB], © PD Dr. Guido Becke (iaw) / Jan Hermannsen (AG Medienfeld)

Auf der Projekt-Webseite https://www.nagut.uni-bremen.de, stehen die folgenden Praxispublikationen zum Download bereit:

  • NaGut-Broschüre Arbeit und Ökologie – Betriebliche Beispiele guter Praxis aus Bremen
  • NaGut-Praxisleitfaden Das A und Ö der Innovation – Arbeitsökologische Innovationen in Unternehmen entwickeln und umsetzen (inklusive Downloadbereich mit weiteren Praxismaterialien)

Zentrale Forschungsergebnisse aus dem NaGut-Projekt und ähnlich gelagerten Forschungsvorhaben erscheinen voraussichtlich Ende 2019 in folgendem Band: Guido Becke (Hrsg.): Gute Arbeit und ökologische Innovationen. Perspektiven nachhaltiger Arbeit in Unternehmen und Wertschöpfungsketten. München: oekom Verlag.

Projektträger

Projektträger Karlsruhe (PTKA)
Produktion, Dienstleistung und Arbeit
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Hermann-von-Helmholtz-Platz 1
76344 Eggenstein-Leopoldshafen

+49 (0)721 608-25281
info@ptka.kit.edu
Standort Dresden
PTKA

Ansprechpartner

Sekretariat Karlsruhe

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+49 (0)721 608-25281
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Sekretariat Standort Dresden

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+49 (0)721 608-31435
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